Erfahrungsbericht 2018

5th Brigade for Anorectal Malformations in Honduras 2018

06.–12. Jänner 2018, San Pedro Sula, Honduras; Krankenhaus Ruth Páz

Auf Grund der brisanten politischen Lage in Honduras stand die geplante Brigade im Jänner zuerst in Frage. Es gab im ganzen Land gewaltsame Proteste mit Toten auf Grund von fraglicher Manipulation bei der Präsidentschaftswahl. Nach intensivem Austausch mit Dr. Juan Craniotis, dem Leiter des Vereins “Fundación MAR” im Krankenhaus “Ruth Paz”, haben wir gemeinsam entschlossen, die Reise anzutreten. Die Lage hatte sich nach Neujahr soweit beruhigt, dass keine Gefahr mehr für unsere Patienten, deren Familien und unser Team bestand. 

Der Flug nach Honduras gestaltete sich auf Grund der Unruhen noch schwieriger als üblich. Besondere Aufmerksam galt dieses Mal unserem Gepäck, da wir dank Großspendern einige Instrumente, OP-Geräte und Hilfsmaterialen mitnehmen konnten. Der Weg nach San Pedro Sula führte uns von Wien über London nach Miami und letztlich nach Honduras. Auf Grund der vorhergehenden Unruhen bestand bis zur Jahreswende aber eine abendliche Ausgangssperre im ganzen Land. Wir mussten daher eine Nacht in Miami verbringen, da der abendliche Flug auf Grund der Ausgangssperre überraschend gestrichen wurde. 

Nach unserer Ankunft in San Pedro Sula wurden wir wieder herzlich von unseren Freunden in Honduras empfangen. Auch dieses Jahr hat Dr. Juan Craniotis, der ärztlicher Leiter im Krankenhaus “Ruth Paz”, für die 5. Brigade zur Behandlung von anorektalen Malformationens knapp 50 Kinder auf den dichten Operationskalender für die kommende Woche gesetzt. 

Mit Dr. Carlos Reck und Dr. Wilfried Krois aus dem AKH Wien, sowie Dr. Christoph Arneitz von der Kinderchirurgie Klagenfurt war der Verein „Helping hands for Anorectal Malformations“ wieder vollständig vertreten. Diese Brigade fand in Zusammenarbeit mit dem „Colorectal Team Overseas – CTO“ statt. Vom Colorectal Center in Columbus, Ohio, begleiteten uns Dr. Richard Woods und Dr. Alejandra Vilanova-Sánchez sowie zwei diplomierte Pflegekräfte, die in die Behandlung und Pflege des künstlichen Darmausganges (Stoma) spezialisiert sind. Meghan Fisher und Kaleigh Peters konnten nicht nur die Krankenschwestern vor Ort sondern auch die Patienten und deren Familien entsprechend einschulen. Gerade für die Nachbehandlung und den weiteren Heilungsverlauf ist der korrekte Umgang mit dem Stoma unumgänglich. Dankenswerterweise konnten wir aus Österreich und aus Amerika einige Stoma Pflegeartikel nach Honduras mitführen und den Familien vor Ort kostenfrei zur Verfügung stellen.

Als zusätzliche Unterstützung sind heuer Dr. Drew Rideout vom John Hopkins Spital in St. Lauderdale, U.S., und Dr. Viktoria Pfeifle aus der Schweiz mit nach Honduras gekommen.

Als weitere wichtige Unterstützung begleitete uns heuer Dr. Alexander Springer. Er arbeitet als Kinderurologe am AKH Wien und übernahm die kinderurologischen Eingriffe vor Ort. Danke einer Spende der Fa. Storz können wir seit 2016 auch Zystoskopien vor Ort durchführen. Anorektale Malformationen sind sehr häufig mit Fehlbildungen der Harnwege vergesellschaftet und die Spiegelung der Harnröhre und Harnblase stellt einen wichtigen Bestandteil der Diagnostik und auch der Nachbetreuung dar. 

Wie auch im letzten Jahr haben wir uns im Vorfeld schon einige wissenschaftliche Fragestellungen zu den Erkrankungen in dem Entwicklungsland Honduras gestellt und Fragebögen erstellt. Wir hoffen so die soziale Problematik rund um das Krankheitsbild und die Notwendigkeit der Hilfestellung in Form von Brigaden in den ärmeren Ländern erforschen zu können. Hier konnte uns auch die Studentin Pastora Hernándes vor Ort wertvolle Hilfestellung mit der  Übersetzung ins Spanische liefern. 

Diese ehrenamtliche Mission wird im ganzen Land auch medial beworben. Da die chirurgische Behandlung der anorektalen Fehlbildungen in Honduras noch nicht überall durchgeführt wird, kommen Patienten aus dem ganzen Land, zum Teil auch aus den Nachbarländern (z.B. Nicaragua). Heuer waren 56 Patienten geplant, wovon leider 10 auf Grund von Krankheit verschoben werden mussten. Wir konnten 5 Verschlüsse eines künstlichen Darmausganges (Stoma) durchführen und somit für diese Kinder die Behandlung abschließen. Weiters konnten wir in der Woche 12 Anorektoplastiken bei noch unbehandelten Fehlbildungen, sowie 4 Re-Operationen an bereits operierten Kindern mit postoperativen Problemen durchführen. Zur weiterführenden Abklärungen wurden Probebiopsien des Darmes bei 8 Patienten entnommen. Seitens der Kinderurologie wurden 9 Patienten mit einer Fehlbildung der Harnröhre behandelt (Hypospadie) und 7 Spiegelungen der Harnwege durchgeführt.

Glücklicherweise haben wir  die ganze Woche ohne Zwischenfall verbracht, wobei auch dieses Jahr die Organisatoren und Juans Familie sich wieder außerordentlich gut um unser Wohlergehen bemüht haben. Alles in allem war dieses Jahr unser Besuch in Honduras wieder eine unglaubliche Erfahrung, Bereicherung sowohl für uns, als Besucher als auch für die Menschen vor Ort, deren außerordentliche Dankbarkeit für uns der größte Lohn ist.

Mit Freuden blicken wir der nächsten Mission im Oktober 2018 entgegen!

Mit herzlichem Dank an unsere großzügigen Spender des Vereins “Helping Hands for Anorectal Malformations”!

Das Team der Brigade MAR 2018

Juan Craniotis Rios (HON), Carlos Reck (USA), Wilfried Krois (AUT), Christoph Arneitz (AUT), Dr. Richard Woods (U.S.), Alejandra Vilanova-Sánchez (ESP), Drew Rideout (U.S.), Meghan Fisher (U.S.), Kaleigh Peters (U.S.), Matthias Schwarz (AUT), Viktoria Pfeiffle (CHE), Pastora Xiomara Hernandéz (HON)

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Spendenkonto

Helping Hands for Anorectal Malformations

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